Jürgen Niermann Naturfotografie

Naturfotografie in Sri Lanka 2020

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Nach einer sehr zufriedenstellenden ersten Reise wollten wir es mit teilweise anderen Schwerpunkten in diesem Jahr noch mal versuchen. Organisiert wurde die Reise erneut vom Bird and Wildlife Team (Pvt.) Ltd. und auf unseren Wunsch stand auch wieder Dulan Vidanapathirama als Guide zur Verfügung, ein Termin fand sich nur in den ersten beiden Märzwochen.
Haubenadler
Haubenadler, Wilpattu NP
Leider gab es Einschränkungen durch die Wetterlage in den Vormonaten. Praktisch ganz Sri Lanka hatte von Oktober bis Mitte Januar drei Monate lang sehr ergiebige Regenfälle erlebt. Seitdem hatte es bis zu unserer Ankunft am 4. März sechs Wochen lang nicht mehr geregnet, was sich bis zu unserer Abreise am 16. März auch nicht änderte. Auf die Schutzgebiete im Flachland hatte diese trockene Phase keinen für uns merkbaren Einfluss. Es war überall grün, die natürlichen und künstlichen Gewässer waren gut gefüllt und es gab noch viele kleinere Wasserlöcher, die nicht ausgetrocknet waren.
In den besuchten Regenwaldgebieten, wo unter normalen Umständen über das ganze Jahr zumindest alle paar Tage Niederschlag fällt, sah das jedoch anders aus. Dies galt weniger für die Vegetation, als für die fehlenden Insekten, Spinnen und sonstigen Kleintiere, auf die wir als Makromotive gehofft hatten. Dass es damit auch praktisch keine Blutegel gab, war insofern nur ein schwacher Trost, es war schon etwas enttäuschend. Die heraufziehende Corona-Krise hat den Ablauf unserer Reise nicht geändert, wir konnten alle Ziele – so gerade noch – wie vorgesehen ansteuern, trotzdem waren einige Auswirkungen schon spürbar. Offenbar waren viele Gruppenreisen storniert worden, so dass wir an manchen Tagen selbst in größeren Unterkünften fast die einzigen Gäste waren.

Gegen halb neun kamen wir am Flughafen in Colombo an. Die Einreise verlief unbürokratisch und schnell. Nach Gepäckabholung und ein paar Erledigungen waren wir nach einer Stunde bereits auf dem Weg zum Wilpattu Safari Camp, unserer Unterkunft für die nächsten vier Nächte. Das Camp liegt nicht mal einen Kilometer vom Hunuwilagama-Eingang des Wilpattu NP entfernt, mit dem Auto ist aber ein kleiner Umweg nötig. Nachmittags fuhren wir mit eigenem Pick-up hinein, an den anderen drei Tagen blieben wir ganztägig dort – alles wie gehabt.
Zur morgendlichen Öffnung fanden sich nur wenige Fahrzeuge am Tor ein. Das änderte sich deutlich am dritten Tag, als ein verlängertes Wochenende einige Großstädter aus Colombo, teilweise mit dem eigenem Geländewagen, zu einem Parkbesuch veranlasste. Aber der Wilpattu NP ist so groß, dass dieses vermehrte Besucheraufkommen von vielleicht 25 bis 30 Fahrzeugen nicht wirklich auffiel, nachdem man sich etwas weiter vom Eingangsbereich entfernt hatte. Mittags auf dem Rastplatz am Kumbuk Wila-Tank fanden sich mehr Besucher ein, aber die daran gewöhnten Ceylon-Hühner (Gallus lafayettii) und Ceylon-Hutaffen (Macaca sinica) ließen sich dadurch nicht stören, im Gegenteil, letztere hatten nun mehr Gelegenheiten auf den offenen Fahrzeugen zurückgelassenes Gepäck nach Fressbarem zu durchsuchen. Außerdem boten die Mittagspausen noch Gelegenheiten für Bengalenwarane (Varanus bengalensis) und das ein oder andere Kleingetier, wie Skinke, Geckos, Schmetterlinge oder Libellen. Einmal machte ein anderer Fahrer unseren Führer auf ein in anderthalb Meter Höhe gerade fertig gestelltes Nest eines Schwarznackenmonarchs (Hypothymis azurea) aufmerksam, dessen Erbauer sich wenigstens einmal auch ablichten ließ. Auch sonst unterschieden sich die Möglichkeiten für die Tierbeobachtungen nicht sehr von unserer ersten Reise.
Ceylon-Hahn
Ceylon-Hahn, Wilpattu NP
Wir haben viermal einen Leoparden gesehen, meist aber wegen zu dichter Vegetation nicht fotografieren können. Nur einmal – und das auch noch bei gerade untergegangener Sonne – zeigte sich ein junger Leopard an und auf der Straße. Keine der Sichtungen haben wir als erste gemacht. Es waren immer telefonische Informationen von anderen Fahrzeugen, die uns zu der jeweiligen Stelle geführt hatten. Auch hinsichtlich dieses Leoparden war der ungefähre Straßenabschnitt bekannt, an dem sich eine Leopardin mit zwei großen Jungen in diesen Tagen regelmäßig aufhielt. Wir und andere Fahrzeuge haben dann mehrmals morgens und am späten Nachmittag dort gezielt nach den Tieren gesucht. Lippenbären (Melursus ursinus) haben wir öfter angetroffen und auch fotografieren können. Scheu waren sie nicht, aber manchmal stellten sie die Geduld des Fotografen doch auf eine harte Probe, wenn sie sehr ausdauernd – den Kopf hinter bodennaher Vegetation verborgen – Nahrung ausgruben. Die Lippenbären tauchten nur in einem bestimmten Bereich des Parks auf. Dort sahen wir auch mehrfach Goldschakale (Canis aureus).
An und in zahlreichen, gut mit Wasser gefüllten „Tanks“ und Seen zeigten sich Sumpfkrokodile (Crocodylus palustris), Bunt- und Wollhalsstörche (Mycteria leucocephala, Ciconia episcopus), Enten, verschiedene Limikolen, Wasserbüffel (Bubalus bubalis) oder auch mal ein Elefant (Elephas maximus), der Wasserpflanzen fraß. Oft führt die Straße allerdings über einen Damm, was eine gute Perspektive nur für in nahestehenden Bäumen sitzende Vögel bot, wie Graukopfseeadler (Ichthyophaga ichthyaetus), Haubenadler (Spizaetus cirrhatus)oder die geradezu „furchtlosen“ Schlangenweihen (Spilornis cheela). Bei einigen größeren Seen verläuft der Fahrweg direkt am Ufer bzw. war sogar wegen des hohen Wasserstandes teilweise überspült. Hier ließen sich dann rastende Kormorane (Phalacrocorax carbo), Krabbentriele (Esacus recurvirostris) und andere Limikolen ablichten.

Hindu-Halsbandeule
Hindu-Halsbandeule, Wilpattu Safari Camp
Angeregt durch zahlreiche Berichte auf mammalwatching.com wollten wir diesmal etwas gezielter nach nachtaktiven Tieren suchen. Die Hin- und Rückfahrt zu und vom Park erfolgt natürlich auch bei Dunkelheit, so dass wir bei dieser Gelegenheit schon einen kurzen Blick auf eine Rohrkatze (Felis chaus) und eine Fischkatze (Prionailurus viverrinus) erhaschen konnten. An einem Abend zeigte sich im Camp selbst sogar eine Rostkatze (Prionailurus rubiginosus), aber leider auch nur sehr kurz. Am letzten Abend in Wilpattu starteten wir um 22:00 Uhr mit dem Auto zu einer Nachtfahrt außerhalb des Nationalparks. Vorher und auch am Vorabend hatten wir aber schon im Camp Hindu-Halsbandeulen (Otus bakkamoena) und Maharadscha-Nachtschwalben (Caprimulgus atripennis) fotografieren können, die Dulan zur richtigen Zeit – ca. eine halbe bis eine Stunde nach Sonnenuntergang – durch das Abspielen ihrer Rufe angelockt hatte. Dabei ließ sich sogar eine Paarung der Eulen beobachten. Die Fahrt selbst erbrachte nur, und das auch noch in relativer Nähe zum Camp, weitere Maharadscha- und Hindunachtschwalben (C. atripennis und C. asiaticus). Am Rande des nächstgelegenen Dorfes zeigten sich kurz eine Kleine Indische Zibetkatze (Viverricula indica) und eine Indische Nacktsohlen-Rennmaus (Tatera indica). Trotz eifriger Bemühungen unseres Führers war die Fahrt ansonsten völlig unergiebig, so dass wir, nachdem wir selbst auf einen Abbruch gedrungen hatten, gegen 1:30 Uhr wieder im Camp waren.

Am Sonntag, den 8. März fuhren wir ins ca. 200 km entfernte Kitulgala. Da uns bereits im Wilpattu NP einige wenige Orchideen aufgefallen waren – allerdings zu hoch in den Bäumen –, machten wir zu Beginn im nahegelegenen Karuwalagaswewa noch einen kurzen Zwischenstopp. Dulan kannte ein Gartengelände mit ein paar blühenden Vanda-Orchideen (V. tessellata) in Augenhöhe und in der Nähe an einem kleinen Fluss einen alten Baum mit sicher einigen hundert Pflanzen. Nach knapp vier Fahrstunden erreichten wir das Kitulgala Rest House, unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte.
Dschungelfischer
Dschungelfischer, Kitulgala
Am Nachmittag überquerten wir mit einer Ruderfähre den Kelani-Fluss zum Besuch des angrenzenden Regenwaldes im Makandawa Forest Reserve. Nur ganz vereinzelt begegneten uns andere Besucher. Dulan suchte – vergeblich – nach der endemischen Serendib-Zwergohreule (Otus thilohoffmanni), die hier zur ersten Mal nachgewiesen worden war. Aber auch die Regenwaldbewohner, mit denen wir eigentlich in größerer Zahl gerechnet hatten, ließen sich nicht blicken. Nur zweimal trafen wir auf die sonst häufige Wiegmanns Agame (Otocryptis wiegmanni) und eine große Seidenspinne (Nephila pilipes), größere Insekten waren kaum zu sehen. Wie schon erwähnt, es war so trocken, dass wir uns „Blutegelsocken“ hätten sparen können. Auf dem Rückweg im Dunkeln sahen wir im Wasserspeicher eines Gebäudes ein paar Frösche und in einem kleinen Bach eine Fischernatter (Xenochrophis piscator).
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Auto einige Kilometer zu einem ehemaligen Waldgelände mit einigen wenigen kleinen Häusern. Eine schmale Straße und im weiteren Verlauf ein schmaler Weg führte in Richtung des Flusses. Dort suchten ein paar Singvögel nach Nahrung, wie Ceylondrosslinge (Turdoides rufescens), Scharlachmennigvogel (Pericrocotus flammeus), Tickellblauschnäpper (Niltava tickelliae) und Indien-Rotschnabelbülbül (Hypsipetes ganeesa). Höhepunkt unserer Suche war ein Paar Dschungelfischer (Ceyx erithacus) in einem stark überwachsenen Geländeeinschnitt. Im gleichen Biotop zeigte sich eine Gewöhnliche Bronzenatter (Dendrelaphis tristis).
Goldbrauenbülbül
Goldbrauenbülbül, Noori
Da im näheren Umkreis nicht wirklich viel zu erwarten war, fuhren wir auf Vorschlag unseres Guides am Nachmittag zu einer anderen Örtlichkeit (Noori). Diese war zwar Luftlinie nicht einmal 10 km entfernt, die Fahrentfernung betrug aber 50 km bzw. anderthalb Stunden. Kurz vor der Ankunft trafen wir einen mit Dulan gut bekannten Ornithologen, der uns zu einer Stelle begleitete, an der ein junger Wechselkuckuck (Cuculus varius) noch von seinen Zieheltern, einem Trupp Ceylondrosslinge, gefüttert wurde. Ein paar einheimische Naturfotografen waren auch vor Ort. Danach fuhren bzw. gingen wir zum mitten im Wald gelegenen Haus eines weiteren guten Bekannten, ebenfalls Ornithologe. Die dortigen Vögel waren an gelegentliche Futtergaben gewöhnt und so durften wir von dessen Terrasse aus bei einer Tasse Tee unser Glück versuchen. Neben den häufigen Rotschnabelbülbüls und Drosslingen erschienen auch ein Goldbrauenbülbül (Acritillas indica), Dreistreifen-Palmenhörnchen (Funambulus palmarum) und das endemische Layard-Palmenhörnchen (F. layardi). Dulan bzw. unser örtlicher Führer kannte auch noch das einige Kilometer entfernte Revier eines Paares von Sri Lanka-Sperlingskäuzen (Glaucidium castanotum), die sich zuverlässig finden ließen.
Am nächsten Morgen ging Dulan im Regenwald noch mal auf die Suche nach der Serendib-Zwergohreule, während wir unten am Fluss blieben. Die Eule hat er nach eigener Aussage auch gefunden, allerdings so hoch und verdeckt sitzend, dass ein weiterer Versuch nicht lohnend erschien.

Nach dem Frühstück fuhren wir ins 220 km entfernte Tissamaharama und erreichten nach knapp vier Stunden das Oak Ray Yala, ein ganz neues, etwas größeres Hotel, unsere Unterkunft für die nächsten vier Nächte.
Schlangenhalsvogel
Asiatischer Schlangenhalsvogel, Yala NP
Trotz des Namens sollte der nahegelegene Yala NP (Block 1) nicht der Schwerpunkt unseres Aufenthalts hier sein. Wegen der vielen stornierten Reisen dürfte vielleicht nur die Hälfte der zugelassenen 200 Fahrzeuge den Park besucht haben. Das reicht aber immer noch. Wir haben uns mit einer Morgensafari begnügt und sind nicht über den südlichen Haupteingang Palatupana, sondern über den nördlicheren Katagamuwa-Eingang in den Park gefahren. Dieser ist mit 28 km gegenüber 18 km etwas weiter von Tissa entfernt. Allerdings warteten auch weniger als zehn Fahrzeuge auf die Öffnung um sechs Uhr. Wir fuhren in Richtung des Parkzentrums. Nach einiger Zeit trafen wir auf einen Lippenbären, der nach Nahrung suchte. Abgesehen davon, dass er teilweise verdeckt und die Perspektive wegen der kurzen Entfernung vom hohen Fahrzeug ungünstig war, offenbarte sich wieder das grundsätzliche Problem des Yala NP. Die Fahrwege sind oft schmal und dicht von Gebüsch umstanden. Bei einem attraktiven Motiv wie einem Beutegreifer kommt es ganz schnell zu einer (Sicht-)Blockade durch andere Fahrzeuge, die auch verhindern, dem Tier zu folgen, wenn es sich weiterbewegt. Nach einer telefonischen Information fuhren wir dann zu einer Stelle, an der sich ein Leopard aufhielt. Er war aber in dichtem Gebüsch mehr zu erahnen, als zu sehen. Als er sich fortbewegte, warteten wir an einer offenen Stelle in der Nähe eines Wasserlochs, ohne dass er jedoch ins Freie kam. An größeren Tieren haben wir noch Axishirsche (Axis axis), ein Paar Goldschakale und einen imposanten Wildschwein-Keiler (Sus scrofa) gesehen. Kurz vor der Ausfahrt nährten sich noch drei Wildschweine unserem Fahrzeug, die ganz offensichtlich Futter erwarteten. Wildschweine hatten wir bisher eher als scheu erlebt. Aber dieses Verhalten hing vielleicht mit einem buddhistischen Heiligtum im Norden innerhalb des Parks zusammen, das von Pilgern besucht wird. Bereits außen vor dem Eingang, aber noch innerhalb der Parkgrenzen, sahen wir mittags einen großen Elefantenbullen, der in einem See nach Nahrung suchte. Zuvor fanden wir noch ein Paar Malabarhornvögel (Anthracoceros coronatus) an ihrer Nisthöhle.

Libelle
Magentafarbiger Sonnenzeiger
(Trithemis aurora), Lunugamvehera NP
Im nahe gelegenen Lunugamvehera NP haben wir einen ganzen Tag verbracht. Der Park ist mit 235 km² größer als der Yala NP Block 1 (141 km²), aber deutlich weniger erschlossen. In der näheren Umgebung des Eingangs befindet sich lichter Wald, es gibt einen großen Stausee und andere künstliche Gewässer. Aus dem Stausee fließt der Menik Ganga-Fluss, entlang kleinerer Kanäle verläuft oft ein Fahrweg. Nach Südosten hin wird die Landschaft sehr viel offener, eher eine Baumsavanne. Dass der Park von sehr viel weniger Besuchern frequentiert wird – zur morgendlichen Öffnung fuhren mit uns nur noch zwei weitere Fahrzeuge hinein –, merkt man auch am Verhalten der Tiere, und zwar noch deutlicher, je weiter man sich vom Eingang entfernt. Eine Gruppe Elefanten kam erst aus dem Wald auf offeneres Gelände, als wir uns mit dem Fahrzeug knapp hundert Meter entfernt hatten. Auf der Hinfahrt kurz nach Tissamaharama hatte noch ein nicht ganz ausgewachsener Elefantenbulle mitten auf der Straße gestanden und sich auch von den ihn vorsichtig umfahrenden Fahrzeugen nicht stören lassen, auf der Rückfahrt stand ebenfalls ein jüngerer Elefant direkt am Straßenrand. Aber selbst die meisten größeren Vögel hielten mehr Abstand als im Yala NP, nur ein juveniler Graukopf-Seeadler auf seinem Ansitz in Augenhöhe ignorierte uns wohlwollend. Außer den häufigen Axishirschen sahen wir noch zwei Sambarhirschkühe (Cervus unicolor), eine Rotmanguste (Herpestes smithii) und eine Halsstreifen-Manguste (Herpestes vitticollis), die sich längere Zeit an der Straße aufhielt. Zur Mittagspause konnten wir das Fahrzeug verlassen und die Umgebung eines kleinen Flusses erkunden. Zahlreiche Fische hatten sich an einer kleinen natürlichen Staustufe angesammelt. Daneben gab es einige Libellen und Heuschrecken zu sehen.

Einen Morgen – jedenfalls bis das Licht bei ganz klarer Luft und höherem Sonnenstand zu hart wurde – verbrachten wir im Bundala NP. In den vor dem Park liegenden feuchten Wiesen fanden sich diesmal leider keine Vögel in nennenswerter Zahl. Im Park selbst waren zahlreiche Limikolen und andere Wasservögel zu sehen, jedoch meist aus einer ungünstigen Perspektive, sowie einige wenige Elefanten. In derselben Baumgruppe wie 2017 saßen auch wieder Halsbandsittiche (Psittacula krameri), diesmal bei der Fütterung eines flüggen Jungen. Ebenfalls Junge führte eine Goldschnepfe (Rostratula benghalensis) in einer wassergefüllten Senke.

Flughund
Indischer Flughund, Tissaharama
Auf der Rückfahrt schon in Tissaharama machten wir einen Stopp bei einem Tagesansitz eines Fischuhus (Ketupa zeylonensis) am Rande eines kleinen Flusses. Leider befand sich ein Palmzweig genau vor seinem Kopf. Auch die verbliebenen drei Nachmittage verbrachten wir in der unmittelbaren Umgebung, dem Tissa-See, dem naheliegenden Debarawewa-See und verschiedenen „Gärten“ im Ort.
Der Wasserstand des Debarawewa-Sees schien eher niedrig. Anders als 2017 gab es kaum Schwimmpflanzen. Auch der Tissa-See war gerade von einer großen Menge gebietsfremder Eichhornia-Wasserhyazinthen befreit worden, die noch am Rand lagen. An den Seeufern hielten sich die allgegenwärtigen Paddyreiher (Ardeola grayii) sowie viele Seidenreiher (Egretta garzetta) auf, vereinzelt auch Purpur- und Graureiher (Ardea purpurea, A. cinerea) oder ein Trupp Kuhreiher (Bubulcus ibis). In einer ausdehnten, flachen Röhrichtzone am westlichen Ufer des Tissa-Sees gab es auch Braune Sichler (Plegadis falcinellus), Schwarzhalsibisse (Threskiornis melanocephalus), Purpurrallen (Porphyrio porphyrio) sowie eine Brutkolonie von Manyarwebern (Ploceus manyar). Zu Fuß ergaben sich natürlich bessere Fotoperspektiven als von den hohen Fahrzeugen in den Nationalparks, dafür waren die Vögel aber auch scheuer. Trotzdem ließ sicher immer mal ein Exemplar finden, dass eine akzeptable Fotoentfernung zuließ. Am südwestlichen Seeufer stehen einige Bäume, die einer großen Kolonie Indischer Flughunde (Pteropus giganteus) als Tagesschlafplatz dienen. Ca. eine Stunde vor Sonnenuntergang werden sowohl die hängenden als auch die zwischen den Bäumen – nicht zu schnell – hin und her fliegenden großen Fledertiere gut beleuchtet. In denselben Bäumen brüten auch Graupelikane (Pelecanus philippensis) und Braunwangenscharben (Phalacrocorax fuscicollis), an der vielbefahrenen südlichen Uferstraße steht ein Baum mit einem Graukopf-Seeadlerhorst.
Neunfarbenpitta
Neunfarbenpitta, Tissaharama
An einem schmalen Kanal entlang von Hausgärten saßen verschiedene Eisvogel-Arten mit unterschiedlicher Toleranz gegenüber Fotografen. Gerade in diesem bewohnten Bereich konnte Dulan neben eigener Ortskenntnis seine guten Kontakte zu örtlichen Vogelbeobachtern nutzen. Nicht immer führte dies zu fotografisch verwertbaren Situationen, viele „Tipps“ waren eher für „Birder“ geeignet. Immerhin konnte er ganz genau vorhersagen, aus welcher Baumhöhle kurz nach Sonnenuntergang mehrere Schleiereulen (Tyto alba) hervorkommen würden. Zumindest im zweiten Anlauf fanden wir eine Stelle mit einer kooperativen Neunfarbenpitta (Pitta brachyura). Der Tagesansitz von Hindu-Halsbandeulen erwies sich als zu dicht bewachsen, in einem weiteren „Garten“ fanden wir – allerdings nach Sonnenuntergang – einen Dschungelkauz (Glaucidium radiatum).

Am 14. März fuhren wir morgens zur 126 km entfernten Sinharaya Rainforest Eco Lodge, die wir nach knapp vier Stunden erreichten. Diese liegt auf 1000 m Meereshöhe auf dem Gelände einer alten Teeplantage und ist vom dichten Regenwald des Sinharaya Rainforest Reserve umgeben. Negativ ist anzumerken, dass wir anders als laut Reiseplan nicht in der Lodge selbst untergebracht waren, sondern in 1,6 km entfernt liegenden Bungalows, die von dieser mitverwaltet werden. Die mit der Entfernung verbundenen Unbequemlichkeiten sind unserem Veranstalter wohl erst kurz vor Reiseantritt aufgefallen und wir sollten einen Aufpreis für eine Unterkunft im Hauptgelände bezahlen. Ab dem 15. März waren sämtliche Schutzgebiete und Nationalparks auf Anordnung der Regierung geschlossen, so dass wir auch nicht mehr in den Wald hätten gehen dürfen. Wegen der starken Trockenheit waren Wasserfälle ohnehin nur noch Rinnsale.
Schmuckkitta
Schmuckkitta
Sinharaya Rainforest Reserve
Da im Grunde von vornherein klar war, dass die Vegetation für unsere tierfotografischen Zwecke ohnehin zu dicht war, sind wir stattdessen die auch durch den Wald führende Zufahrtsstraße von der Lodge bis zu einem kleinen 2 km entfernten buddhistischen Heiligtum mehrfach abgelaufen. Dabei konnten wir einmal über längere Zeit einer gemischten „Jagdgesellschaft“ verschiedener Vogelarten – u.a. Malabartrogon (Harpactes fasciatus), Goldstirn-Bartvogel (Megalaima flavifrons), Graustirnhäherling (Garrulax cinereifrons), Horsfieldsäbler (Pomatorhinus horsfieldii melanurus), Schmuckkitta (Urocissa ornata) – folgen, die wechselweise rechts und links der Straße nach Beute suchten. Im Übrigen trafen wir auf Weißbartlanguren (Trachypithecus vetulus), vereinzelt Wiegmanns Agame, an größeren Insekten einige Libellen und Schmetterlinge sowie einige der großen Seidenspinnen in ihren Netzen. Nach Sonnenuntergang fanden wir an einem Bach, der durch die Straßenquerung etwas aufgestaut war, Bronzefrösche (Indosylvirana temporalis) und zwei verschiedene Arten der Gattung Pseudophilautus, in der Nähe der Lodge bzw. auf deren Gelände einen Halbfingergecko (Hemidactylus triedrus) und eine Nachtbaumnatter (Boiga ceylonensis). Am Vorabend hatten wir vom Gelände der Lodge aus bei Sonnenuntergang versucht, eine Serendib-Zwergohreule zu erspähen bzw. zu fotografieren, die Dulan durch Abspielen ihrer Rufe anlocken wollte. Sie hat auch geantwortet, aber gesehen haben wir sie nicht. Am Abreisetag ist er ganz früh morgens noch mal – vergeblich – auf die Suche gegangen. Der Flughafen ist bei einer Fahrzeit von knapp vier Stunden von dort 240 km entfernt. Trotz eines Abflugs am späten Abend haben wir dann wegen der aufkommenden Unsicherheit die Zeit vor Ort nicht mehr genutzt, sondern sind frühzeitig abgereist.

Fazit

Unsere Vorstellungen hinsichtlich der Makrofotografie im Regenwald haben wir bedingt durch die Wetterlage nicht verwirklichen können. Von unseren Nachtfahrten – es gab noch eine zweite, völlig ergebnislose von Tissahamarama aus – hatten wir uns auch mehr versprochen. Diesbezüglich hätten wir uns bei der Reiseplanung vom Veranstalter mehr Beratung gewünscht, was sinnvoll ist und was nicht. Jedenfalls konnten wir unseren Aktivitäten außerhalb der Nationalparks in jeder Hinsicht völlig entspannt nachgehen, was uns wieder gezeigt hat, welch unproblematisches Reiseland Sri Lanka doch ist.

Weitere Bilder aus Sri-Lanka auf meiner Asien-Seite.

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