Jürgen Niermann Naturfotografie

Fotoverstecke in Spanien - Hides de Calera

www.hidesdecalera.com

Unter „Hides de Calera“ bietet José David Gomez rund um seinen Wohnort Talavera de la Reina verschiedene Fotoverstecke an. Unterstützt wird er dabei von seiner Ehefrau Teresa und einem erwachsenen Sohn. Der Ort liegt ca. 150 km südwestlich von Madrid im Westen von Kastilien-La Mancha. Die Fahrzeit vom Flughafen beträgt ca. anderthalb Stunden.
Die Fotohütten verfügen über Spiegelglas guter Qualität und stabile Frontbretter mit 3/8“-Schrauben zur Befestigung von Kugelköpfen oder Neigern, alternativ stellt José stabile Ministative zur Verfügung.

Neben den Hides für verschiedene Vogelarten gibt es zwei Standorte für Pardelluchse bei La Pueblanueva, 34 km südöstlich. Beide liegen nur 1 km voneinander entfernt. Jeder Platz verfügt über vier Einzel-Fotohütten. Von jeweils zweien lässt sich eine künstliche Wasserstelle einsehen, von den anderen beiden nicht oder nur eingeschränkt.

Pardelluchs
Junger Pardelluchs vor Überwachungskamera

Platz 1 ist ein leicht abschüssiges Gelände, offener, mit weiter Sicht ins Umland, wo auch 600 mm Brennweite an der Vollformatkamera gut einsetzbar ist. Die Hides an Platz 2 stehen an einer max. 30 m messenden Lichtung mit umgebenden Büschen. Für Luchse sollten es hier besser nicht mehr als 500 mm Brennweite sein, am besten ein Zoom-Objektiv. José überwacht diese Plätze mit Live-Kameras und kann daher einschätzen, ob und wo sich Luchse eher aufhalten. Die Tiere sind gegenüber ihm und seiner Ehefrau sehr vertraut.
Beim Bezug der Hides werden die Fotografen einzeln und möglichst schnell wenige Meter vom mit laufendem Motor wartenden Kfz in die Hütten gebracht. Fotorucksäcke sind in den Luchshides nicht erlaubt, man muss das benötigte Equipment und Verpflegung in der Hand tragen. Diese Regel soll wohl den Bezug beschleunigen, dient vor allem aber wohl der Geräuschreduzierung aus den Hütten. Bei hellen Teleobjektiven wird ein Überzug zur Verfügung gestellt, um jegliche Störung zu vermeiden. Es sind nie mehr als vier Fotografen bei den Luchsen und immer nur an einem Platz. Nach dem Bezug der Hides wird ein lebendes Kaninchen in eine Kiste gesetzt, die ein Luchs durch Druck auf einen Deckel öffnen kann.
Im Gebiet gibt es normalerweise ein dominantes Männchen mit vier Weibchenrevieren von ca. 600 ha. Ende 2022 wurde das Männchen durch einen Verkehrsunfall getötet, sein Nachfolger im März 2023 ebenfalls. Dem folgten in dem Jahr vier(!) recht junge Männchen nach, in jedem Weibchenrevier eines, die aber versuchten, die Jungen frühzeitig zu vertreiben. Wahrscheinlich war nur ein Weibchen im Bereich der „Luchsplätze“ mit ihren drei Jungen anwesend, im Oktober 2023 nur noch mit einem Jungen.

Die „Vogelhides“ sind für zwei Fotografen eingerichtet, teilweise wären auch drei möglich. Sie liegen zwischen Navalcan und Velada 14 km bis 30 km westlich. Alle Hides befinden sich auf abgezäuntem Privatgelände.

Die Fotoverstecke werden einzeln vermietet. Daneben gibt es aber auch Fototouren bzw. Workshops, bei denen verschiedene Hides und mehrere Fotografen zu bestimmten Terminen zusammengefasst werden. Gewöhnlich richtet José dann eine WhatsApp-Gruppe ein und es gibt Hinweise, insbesondere wenn über die Live-Kameras das Auftauchen von Luchsen wahrscheinlich wird.
Ein Freund und ich hatten uns für die „Linx and Raptors Photo Tour“ vom 15. bis 21.10.2023 angemeldet. Leider musste er drei Tage vor Beginn aus dringenden familiären Gründen wieder absagen. Ich bin dann allein gereist. Da bei einer so kurzfristigen Absage José eigentlich den vollen Reisepreis hätte beanspruchen können, soll nicht unerwähnt bleiben, dass er sich insofern recht großzügig gezeigt hat. Insofern waren es nur sieben Teilnehmer, statt der vorgesehenen acht.
Untergebracht waren wir im **Hostal „La Hacienda del Casar“ (Motel mit Restaurant), etwas außerhalb von Casar de Talavera, das auch Lunch-Pakete geliefert hat und wo wir meist zu Abend gegessen haben. Zum (typisch spanischen) Frühstück ging es immer in eine nahe gelegene Bar.
Gegen einen kleinen Zuschlag zum Reisepreis wurden zwei weitere Teilnehmer und ich von Teresa am 15. und 21.10. vom Flughafen abgeholt bzw. wieder dorthin gebracht.

Sonnenaufgang war jeweils gegen 08:30 Uhr, Sonnenuntergang gegen 19:30 Uhr.
Fotohütte
Imperial Eagle Hide
Montag, 16.10.
morgens: Imperial Eagle Hide
Um 09:15 kamen wir nach 30 km Fahrt am Hide an. José bestückte die in 15 bis 25 m Entfernung befindlichen Äste und einen Steinhaufen mit Geflügelfleisch als Köderfutter. Es war stärker bewölkt, dunstig, zwischendurch kurz aufheiternd. Mein eigentlicher Ansitz begann um 09:40 Uhr. Bereits zwei Minuten später erschien ein Span. Kaiseradler-♂, Kolkraben und Rotmilane, zwanzig Minuten später Blauelstern. Um 10:30 Uhr flog der Adler weg und es kamen Mäusebussarde. 10:40 kam ein Kaiseradler-♀ direkt vor den Hide, später saß der Vogel dann lange auf einer ca. 50 m entfernten Pinie. Zwischendurch kamen mehrfach Ichneumone, mindestens zwei Individuen. Das helle Geflügelfleisch wurde im Laufe der Zeit an den Köderstellen deutlich sichtbar, außerdem störten manchmal doch die vielen Wespen etwas, die ebenfalls großes Interesse daran hatten.
Um 13:45 Uhr wurde ich wieder abgeholt.
nachmittags: Goshawk Hide
Fahrt zum 14 km entfernten Goshawk Hide, mein Ansitz dauerte bei bewölktem Himmel von 16:15 Uhr bis 19:15 Uhr. Vor dem Ansitz befindet sich ein großer trockener Ast und ein Steinhaufen in ca. 13 m Entfernung. Daran wurde jeweils ein junges Huhn (mit weißem Gefieder) an einer Metallöse befestigt. Gegen 16:45 Uhr erschien ein Habicht, der bereits nach zwei Minuten den Köder lösen konnte und damit wegflog. Um 17:30 Uhr kam ein Mäusebussard. Dieser brauchte 30 Minuten, um den anderen Köder zu lösen und dann auch wegzufliegen.
Wie der WhatsApp-Kommunikation zu entnehmen war, wurden an Luchsplatz 1 sofort bei Bezug Luchse gesehen und dann noch mal kurz um 17 Uhr und um 19 Uhr.
Blick aus Fotohütte
Blick aus Fotohütte am Luchsplatz 2
Dienstag, 17.10.
morgens: Lynx photo hide
Der Ansitz erfolgte an Luchs-Platz 2 und dauerte von 08:45 Uhr bis 19:30 Uhr. Zunächst bewölkt, nach einer Stunde meist sonnig, 18° C bis 25° C. Die Hides sind nach Norden ausgerichtet, das davor liegende Gelände wird von einer Stunde nach Aufgang bis eine Stunde vor Untergang von der Sonne beleuchtet.
Bei Bezug der Hides waren ein Luchsweibchen (mit Sendehalsband) und ein Junges anwesend, insbesondere das Junge zeigte keine Scheu und blieb teilweise ganz dicht vor den Fotohütten. Teresa platzierte ein Kaninchen 15 m entfernt in einem Busch. Unmittelbar nachdem sie abgefahren war, lief das Weibchen quer über die Lichtung, holte das Kaninchen und ging damit sofort nach hinten weg, auch das Junge verschwand. Nach wenigen Minuten lief ein Wildschwein mehrfach vor den Hütten entlang, im Laufe des Vormittags erschien es noch zweimal. Später tranken nur eine Ringeltaube und einige Ammern an der 10 m entfernten Wasserstelle, sonst passierte bis zum Ende des Tages nichts weiter.
Mittwoch, 18.10.
Valley Hide
Anfahrt 30 km, der Ansitz dauerte von 08:45 Uhr bis 13:00 Uhr. Der Himmel war bedeckt, leichter Regen, ab 09:45 Uhr kurz aufheiternd, danach bewölkt, aber trocken.
Innerhalb von Minuten erschienen ein Rotmilan und Kolkraben. Zwischen 09:30 Uhr und 10:00 Uhr fraßen zwei Mönchs- und ca. zehn Gänsegeier in einer Entfernung von 15 m bis 25 m das ausgelegte Köderfleisch. Zum Schluss suchten noch mal Rabenkrähen und Kolkraben nach Resten.
Donnerstag, 19.10.
Künstliche Wasserstelle
Feeding and Drinking Pool Hide
morgens: Steppe Raptor Hide
Der Hide liegt 21 km vom Hotel entfernt. Er überblickt eine kilometerbreite Ebene. Der Ansitz dauerte von 08:40 Uhr bis 12:40 Uhr bei Dauerregen(!). In 15 m bis 20 m Entfernung liegen tote Baumstämme vor dem Hide, auf denen das Köderfleisch platziert wurde. Praktisch sofort kamen ein Mäusebussard und viele Rohrweihen, die alle nach einer halben Stunde wieder verschwanden, ohne das ausgelegte Futter völlig aufzufressen. Danach kamen nur noch wenige (durchnässte) Elstern.
nachmittags: Feeding and Drinking Pool Hide
Das Fotoversteck liegt 25 km entfernt. Davor eine künstliche Badestelle auf Augenhöhe und Äste mit Futtermöglichkeiten. Der Ansitz dauerte von 16:15 Uhr bis 18:45 Uhr, weiter bei Dauerregen. Trotz des ungünstigen Wetters kamen sofort Blauelstern, im weiteren Verlauf bis zu 30 auf einmal, die miteinander agierten. Außer einem Einfarbstar sonst nichts weiter.
An Luchsplatz 2 wurde nichts beobachtet.
Freitag, 20.10.
Lynx photo hide
Diesmal an Luchsplatz 1 von 08:45 Uhr bis 19:15 Uhr. Zunächst leicht bewölkt, später heiter, 17° C bis 20° C, windig. An jedem Ende des Geländes wurde jeweils eine Kaninchenbox platziert, von mir aus eine in einem 15 m entfernten Busch. Tagsüber kamen drei Elstern, die teilweise interessiert auf die Frontscheibe schauten. Ein Sperber-♂ jagte in größerer Entfernung. Um 18:30 lief ein jüngerer Luchs (♂) über das Gelände, das aber trotz WhatsApp-Vorwarnung wohl nur von mir gesehen wurde. Es schaute kurz direkt in Richtung der Fotohütte, holte dann – unsichtbar – ein weißes(!) Kaninchen aus der Box und ging seitlich nach hinten weg. Die andere Kaninchenbox blieb unberührt.
Am 21.10.2023 hatten zwei Teilnehmer noch eine Verlängerung, vormittags im Steppe Raptor Hide und nachmittags im Luchs-Hide. Laut der WhatsApp Kommunikation müssen sie hinsichtlich der Luchse erfolgreich gewesen sein.